Schlaganfall-Folge ”Schluckstörung“: Das unterschätzte Risiko
Tag gegen den Schlaganfall am 10. Mai 2012Schluckstörungen sind eine der häufigsten und gefährlichsten Folgen von Schlaganfällen. Sie treten bei etwa 50 Prozent der Patienten in der Akutphase auf, rund ein Viertel davon stirbt sogar daran. Oft werden Schluckstörungen nicht nur erst verspätet erkannt, sondern auch noch unterschätzt. ”Dabei können sie rechtzeitig diagnostiziert und therapiert, selbst bei älteren Patienten in den Griff bekommen werden.“ Darauf weist Dr. medic Marcel Blonder, Kommissarischer Chefarzt der Geriatrie des Otto-Fricke-Krankenhauses mit den beiden Standorten Wiesbaden und Bad Schwalbach anlässlich des Tags gegen den Schlaganfall am 10. Mai 2012 hin.
”Das Gefährliche an Schluckstörungen ist zum einen, dass Nahrung oder Speichel in das Atmungssystem unterhalb des Kehlkopfes eindringen kann, was in vielen Fällen eine Lungenentzündung verursacht oder gar zum Ersticken führt“, erklärt Dr. Blonder. ”Zum anderen essen und trinken Menschen mit Schluckstörungen häufig weniger als sie sollten, was Mangelernährung und Dehydration hervorrufen kann.“
Behandlungsmöglichkeiten
Um dies zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen wieder zu verbessern, stehen je nach Verfassung des Patienten verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung: ”Neben der Anpassung der Nahrung in Konsistenz und Darreichungsform sowie der Zuhilfenahme spezieller Ess- und Trinkhilfen, können auch verschiedene Schlucktechniken erlernt werden“, so der Experte. ”Gerade bei Schlaganfall-Patienten ist es zudem wichtig, bestimmte motorische und sensorische Reize zu geben, damit sich das Gehirn reorganisieren kann.“
Die richtige Diagnose ist das A und O
Um eine auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Patienten zugeschnittene Therapie festzulegen, bedarf es einer sehr genauen und umfassenden Diagnostik. Zu den derzeit modernsten Diagnosemethoden gehört die Videofluoroskopie. Hierbei wird der gesamte Schluckvorgang mittels Röntgenstrahlung dargestellt und auf einem Video aufgezeichnet. ”Im Gegensatz zu einem Verfahren mit einzelnen Röntgenbildern lässt sich somit das Zusammenspiel der zahlreichen Muskelgruppen, die das Schlucken ermöglichen, beurteilen“, erläutert Dr. Blonder. ”Eine Besonderheit ist auch die Möglichkeit der digitalen Archivierung, die es uns erleichtert, die Schluckprobleme individuell mit dem Patienten und seinen Angehörigen zu besprechen“, so der Experte weiter.
In Deutschland wird dieses Verfahren bislang erst in sehr wenigen Krankenhäusern angewendet. Das Otto-Fricke-Krankenhaus ist eines davon. Das Behandlungsteam ist das einzige im Rhein-Main-Gebiet, das aus einer Hand beide apparativen diagnostischen Verfahren anbietet. Hier können Schluckstörungen sowohl durch diese spezielle Röntgenuntersuchung als auch endoskopisch durch Spiegelung abgeklärt werden.